Nicola Müllerschön
is participant at
ZKM Global Studies
Abstract
Globale Produkte. Alighiero Boettis künstlerische Ökonomien zwischen Turin und Kabul.
In meiner Dissertation befasse ich mich mit interkulturellen Kollaborationen in der Kunst seit den 1970er Jahren. Am Beispiel von Textilproduktionen, die der italienische Künstler Alighiero Boetti in Afghanistan und Pakistan mit dortigen Stickerinnen realisierte, gehe ich dem Verhältnis von künstlerischen und ökonomischen Produktions- und Distributionsmechanismen in einem zunehmend globalisierten (Kunst-)Markt nach. Die Suche nach einer Entgrenzung künstlerischer Medien, Themen und Arbeitsformen, wie sie um 1968 für die Künstler der Arte Povera als konsumkritische „Guerrillataktik“ (G. Celant) in Anspruch genommen wurde, ist auch mit der Suche nach geographischer Entgrenzung verbunden. Setzt man diese Haltung in Bezug zur zeitgleichen ökonomischen Expansion Norditaliens, versteht man Boettis Kunst allerdings nicht als utopisches Plädoyer für eine Verweigerung von Marktkonventionen, sondern als Ausdruck vergleichbarer Paradigmen, wie etwa Fremdfertigung, Auslandsverlagerung und globalem Marketing. Damit werden auch bestehende Kategorien des Kunstsystems von Unikat und Massenprodukt sowie von westlicher Konzeptkunst und nicht-westlichem Kunsthandwerk hinterfragt. Mich interessieren genau diese Schnittstellen und Umwertungen, wie sie gegenwärtig anhand von Begriffen wie „global art“ und „global art history“ diskutiert werden, und inwiefern sie sich in der Kunstwissenschaft, Ethnologie und kuratorischen Praxis widerspiegeln.
